Microsoft hat am 14. Oktober 2026 unter ausgewählten Teilnehmern des Xbox Insider Program eine Umfrage verschickt. Darin wird gefragt, wie sie reagieren würden, wenn alle künftigen Titel aus Xbox-eigenen Marken exklusiv für Xbox-Konsolen und PC erscheinen würden. Auf der Liste der Spiele, die von einer solchen Änderung betroffen wären, stehen neben Fallout, The Elder Scrolls, DOOM, Diablo und Hideo Kojimas Projekt Physint auch Minecraft, das multiplattformfähigste Spiel in der Geschichte von Microsoft. Die Information machte der Windows-Central-Journalist Jez Corden öffentlich, berichtet haben unter anderem Push Square und KeenGamer.

Was in der Umfrage steht

Eine der Fragevarianten lautet wörtlich: „Imagine it was announced that all future title releases from every XBOX-developed gaming franchise except Call of Duty will be console-exclusive to XBOX“ (Stell dir vor, es würde angekündigt, dass alle künftigen Veröffentlichungen jeder von Xbox entwickelten Franchise außer Call of Duty exklusiv für Xbox-Konsolen erscheinen). Weiter unten wird die Umfrage für Minecraft konkret: Die bestehenden Ausgaben würden auf PlayStation und Nintendo-Konsolen aus dem Verkauf verschwinden und keine neuen Inhalts-Updates mehr erhalten.

Microsoft nennt allerdings zwei wichtige Einschränkungen. Spieler, die das Spiel bereits auf einer anderen Plattform gekauft haben, würden ihre Inhalte weiterhin vollständig nutzen können, und die PC-Version bliebe völlig unverändert. Dass Call of Duty ausgenommen ist, ist kein Zufall: Der Vertrag zwischen Microsoft und Sony aus dem Jahr 2023 garantiert der Reihe zehn Jahre lang, also mindestens bis 2033, eine Präsenz auf PlayStation. Diese Verpflichtung würde den Spielraum für jede künftige Exklusivitätsentscheidung direkt einschränken.

Minecraft als Ausnahme im Xbox-Portfolio

Seit der Übernahme durch Microsoft für 2,5 Milliarden Dollar im Jahr 2014 hat sich Minecraft als Spiel entwickelt, das auf praktisch jeder Plattform verfügbar ist, und nicht als Trumpf im Konsolenkrieg. Die Bedrock Edition läuft heute auf Xbox, PlayStation, Nintendo Switch, Smartphones, Tablets und als Version für Computer. Ab dem 27. Oktober 2026 kommt außerdem die Nintendo Switch 2 dazu. Dank einer einheitlichen Codebasis, die bereits 2017 die separaten Konsolenversionen abgelöst hat, können Spieler unabhängig von ihrer Hardware gemeinsam spielen.

Gerade diese Geschichte lässt die Idee der Exklusivität für viele Kommentatoren aus geschäftlicher Sicht unlogisch erscheinen. Minecraft verdient sein Geld mit einer riesigen, breit gestreuten Nutzerbasis auf Dutzenden Plattformen und nicht mit dem Verkauf von Xbox-Konsolen. Ein Rückzug von PlayStation und Nintendo würde bedeuten, einen enormen Teil dieser Basis zu verlieren, darunter jüngere Spieler, für die die Switch oft die erste Konsole im Haushalt ist.

Kritik an der Methodik und Zweifel in der Branche

Kommentatoren weisen darauf hin, dass die Umfrage ausschließlich an Teilnehmer des Xbox Insider Program ging, also an Leute, die per Definition schon Microsoft-Hardware nutzen und deshalb eher zugunsten der Exklusivität antworten könnten. Eine solche Stichprobe bildet nicht die Meinung der gesamten Community ab, die Minecraft auf anderen Plattformen spielt.

  • Kritiker erinnern daran, dass Exklusivität allein noch keinen Verkaufserfolg garantiert
  • Als Beispiel werden die schwachen Verkaufszahlen von Gears of War: E-Day genannt, obwohl der Titel nur auf Xbox und PC verfügbar blieb
  • Von Windows Central zitierte Experten betonen, dass ein Rückzug von Minecraft von PlayStation und Nintendo wirtschaftlich unvernünftig wäre
  • Microsoft hat keine konkrete Entscheidung zu künftigen Titeln bestätigt

Das Unternehmen sieht die Umfrage als übliche Stimmungsabfrage und nicht als Ankündigung von Änderungen. Ähnliche Umfragen führt das Xbox Insider Program regelmäßig im Zusammenhang mit verschiedenen Produktentscheidungen durch und testet dabei Reaktionen auf extreme Szenarien, die nie umgesetzt werden.

Was das für Spieler bedeutet

Für Spieler, die Minecraft auf PlayStation, Switch oder Smartphone genauso oft nutzen wie am Computer mit der Java Edition, wäre das hypothetische Szenario aus der Umfrage ein echtes Problem. Viele Familien und Freundesgruppen verbindet gerade, dass Minecraft unabhängig davon läuft, welche Hardware gerade zur Hand ist, und das gemeinsame Spielen auf Servern oder in Realms hängt nicht von der Konsolenmarke ab.

Im Moment deutet nichts darauf hin, dass ein solcher Schritt kurz bevorsteht. Die Umfrage untersucht nur die hypothetische Reaktion der Spieler, Microsoft hat keine Änderungen beim Vertrieb von Minecraft angekündigt, und die Version für die Nintendo Switch 2 erscheint wie geplant. Falls Microsoft tatsächlich Änderungen an seiner Plattformstrategie erwägt, sind weitere Signale bei den nächsten Ankündigungen zu künftigen Versionen des Spiels zu erwarten, auch wenn das Unternehmen bisher keinen Termin für eine Entscheidung genannt hat.

Quellen