Microsoft musste Gerüchte über einen Verkauf von Xbox dementieren, nachdem The Information berichtet hatte, dass mehrere Private-Equity-Fonds in den vergangenen Monaten eine Übernahme der Gaming-Sparte des Unternehmens für 100 bis 150 Milliarden Dollar geprüft hatten. Zu den Marken, die in den Gesprächen eine Rolle spielten, gehörte unter anderem Minecraft, neben Call of Duty, Diablo und The Elder Scrolls. Ein Microsoft-Sprecher antwortete gegenüber The Information knapp: „Xbox steht nicht zum Verkauf.“
Was die Recherche von The Information genau enthüllt hat
Berichten zufolge waren die Gespräche rein vorläufig und mündeten nie in formelle Verhandlungen mit Microsoft. Die interessierten Parteien, deren Identität nicht bekannt ist, überlegten, die Gaming-Sparte des Konzerns aus Redmond zu übernehmen, und bewerteten sie mit 100 bis 150 Milliarden Dollar. Damit läge ein solcher Deal unter den größten Transaktionen in der Geschichte der Unterhaltungsbranche.
Zum Vergleich: Die Obergrenze dieser Bewertung entspricht fast dem Dreifachen der 55 Milliarden Dollar, die Microsoft im August 2026 für Electronic Arts bezahlt hat. Das zeigt, welch enormen Wert Analysten und Investoren der Marke Xbox heute zuschreiben, obwohl die Konsolen-Hardware selbst schon seit Jahren nicht mehr der wichtigste Gewinntreiber dieses Segments ist.
Minecraft als eines der Kronjuwelen
In den Berichten über die mögliche Übernahme werden ausdrücklich die Marken genannt, die Microsoft im Xbox-Ökosystem kontrolliert: Call of Duty, Minecraft, Diablo und The Elder Scrolls. Das erinnert daran, wie viel Wert das von Mojang entwickelte Spiel für das gesamte Gaming-Portfolio von Microsoft weiterhin erzeugt. Microsoft kaufte das Studio Mojang und die Rechte an Minecraft 2014 für 2,5 Milliarden Dollar, und zehn Jahre später sieht diese Investition wie eine der lohnendsten der gesamten Spielebranche aus.
Zur Einordnung der Größenordnung: Die Übernahme von Activision Blizzard, 2022 angekündigt und im Oktober 2023 abgeschlossen, kostete Microsoft 68,7 Milliarden Dollar. Allein die hypothetische Bewertung von Xbox mit 100 bis 150 Milliarden Dollar zeigt, wie stark Marken wie Minecraft oder Call of Duty in den Augen potenzieller Investoren wiegen, selbst ohne künftige Einnahmen aus dem Game Pass oder dem Hardware-Verkauf zu berücksichtigen.
Wie Microsoft auf die Gerüchte reagiert hat
Die Reaktion des Unternehmens war eindeutig. Als The Information Microsoft wegen der Berichte kontaktierte, antwortete ein Sprecher unmissverständlich: „Xbox steht nicht zum Verkauf.“ Diese Haltung hatte zuvor auch die Leiterin der Sparte, Asha Sharma, bestätigt und versichert, dass es keine Pläne gebe, die Marke zu verkaufen.
Man sollte zwei Dinge auseinanderhalten: Das Interesse von Investoren an einem möglichen Kauf bedeutet nicht, dass Microsoft einen Käufer gesucht, ein Angebot angenommen oder Gesprächen zugestimmt hat. Den Berichten zufolge kam es nie zu formellen Verhandlungen, und die Diskussionen verliefen im Sande, ohne in einen konkreten Transaktionsvorschlag zu münden. Auch Änderungen beim Game Pass, bei der Konsolenunterstützung oder bei kommenden Spielveröffentlichungen wurden nicht angekündigt.
Der finanzielle Kontext der Gaming-Sparte
Die Gerüchte über einen möglichen Verkauf tauchen zu einem Zeitpunkt auf, an dem die Finanzergebnisse von Xbox nicht eindeutig positiv sind. Die Einnahmen des Gaming-Segments von Microsoft lagen im Geschäftsjahr 2026 bei 21,79 Milliarden Dollar, ein Rückgang von 7 % gegenüber dem Vorjahr, und der Verkauf der Konsolen-Hardware allein sank um 29 %. Diese Zahlen erklären, warum manche Investoren die Gaming-Sparte als Vermögenswert betrachten, der außerhalb der Strukturen eines riesigen Technologiekonzerns besser geführt oder umstrukturiert werden könnte.
Gleichzeitig gleicht der Wert der Marken im Portfolio, darunter Minecraft, das regelmäßig an der Spitze der Listen der beliebtesten Spiele der Welt steht, diese Rückgänge in den Augen der Marktanalysten aus. Das Spiel, das seit Jahren vom Studio Mojang in Schweden weiterentwickelt wird, erwirtschaftet weiterhin stabile Einnahmen durch den Marketplace, Realms und den Verkauf der Grundversion für die Plattformen Java und Bedrock.
Was das für Spieler bedeutet
Für Spieler, die Minecraft sowohl in der Java-Version als auch in der Bedrock-Version nutzen, bleiben die Berichte über eine mögliche Übernahme von Xbox vorerst rein spekulativ und haben keinen Einfluss auf den Alltag im Spiel, auf Server oder auf die Weiterentwicklung kommender Updates. Microsoft hat Verkaufspläne entschieden dementiert, und das Fehlen formeller Verhandlungen bedeutet, dass das Thema jederzeit ohne Folgen für das Minecraft-Ökosystem wieder verschwinden kann.
Die Geschichte zeigt allerdings, dass große Gaming-Marken regelmäßig Gegenstand ähnlicher Spekulationen sind, besonders wenn die Bewertungen Größenordnungen erreichen, die mit den größten Deals der Branche vergleichbar sind, etwa dem Kauf von EA für 55 Milliarden Dollar oder von Activision Blizzard für 68,7 Milliarden Dollar. Ob das Thema in den nächsten Monaten zurückkehrt, hängt davon ab, ob einer der anonymen Fonds von den vorläufigen Gesprächen zu einem konkreten Angebot übergehen will.
Quellen
- Xbox na sprzedaż za 150 mld dolarów? (ppe.pl)
- Private equity investors reportedly explored buying Xbox for up to 150 billion (notebookcheck.net)
- Microsoft responds to rumors of a private equity buyout of Xbox: "Not for sale." (powerupgaming.co.uk)
- Private Equity Firms Weighed $100 Billion-Plus Buyout of Microsoft's Xbox (theinformation.com)