Minecraft hat einen neuen, unabhängigen Client namens Torch bekommen, der von Grund auf in der Programmiersprache Rust geschrieben wurde. Das Open-Source-Projekt macht die Java Virtual Machine (JVM) überflüssig und erreicht laut den Entwicklern 400 FPS gegenüber 180 FPS beim klassischen Java-Client, bei einem RAM-Verbrauch von rund 700 MB im Vergleich zu 2,3 GB. Die Nachricht über das Projekt verbreitete Hacker News, weitere Quellen finden sich auf der Projektseite sowie im Repository auf GitHub.
Was Rust statt JVM genau ändert
Der offizielle Minecraft-Java-Edition-Client läuft auf der Java Virtual Machine, was seit Jahren wegen des Speicheraufwands und der Verzögerungen durch die Garbage Collection kritisiert wird. Torch löst dieses Problem, indem die komplette Render-Engine und Spiellogik in Rust neu geschrieben wurde, also einer nativ kompilierten Sprache ohne zwischengeschaltete virtuelle Maschine. Die Entwickler geben auf der Seite torchclient.com an, dass das Spiel dadurch in rund einer Sekunde startet, während der Java-Client vier Sekunden braucht.
Das Projekt unterstützt zwei Spielversionen in einem einzigen Build: 26.1.1 und 1.21.11, das heißt, Spieler müssen keine separaten Pakete für unterschiedliche Serverversionen herunterladen. Das ist besonders wichtig für alle, die auf Servern spielen, die aus verschiedenen Gründen noch nicht auf die neueste Version aktualisiert wurden. Der Quellcode von Torch ist öffentlich im Repository torch-client auf GitHub unter der GNU-AGPL-3.0-Lizenz verfügbar, das heißt, jeder kann ihn herunterladen, überprüfen und verändern.
Funktionen, die schon in der Alpha verfügbar sind
Trotz des frühen Entwicklungsstadiums bietet Torch bereits einige Funktionen, die man von beliebten Performance-Mods kennt. Die Dokumentation des Projekts nennt unter anderem ein eingebautes Overlay mit Anzeige von FPS, RAM- und CPU-Verbrauch sowie der Anzahl geladener Chunks, was an Diagnose-Tools erinnert, wie man sie aus den Werkzeugen und Rechnern für Minecraft-Spieler kennt.
- Teilweise Unterstützung für Iris-Shader
- ClickGUI, aufrufbar mit der rechten Shift-Taste
- Touch-Steuerung auf Android-Geräten
- HUD-Editor
- Renderweite von bis zu 32 Chunks
Die Entwickler weisen selbst auf der Projektseite darauf hin, dass es sich um eine frühe Version handelt: „Torch befindet sich in einem frühen Entwicklungsstadium. Manche Funktionen fehlen noch, andere könnten abstürzen.“ Das ist eine übliche Warnung bei alternativen Clients, die man vor der Installation auf einem Rechner, den man für Arbeit oder Schule nutzt, bedenken sollte.
Plattformen und Installation
Torch läuft derzeit auf drei Plattformen: Windows 64-Bit, Linux x86_64 und Android arm64. Fertige Binärdateien für Windows und Linux werden auf der Releases-Seite des GitHub-Repositorys veröffentlicht, wer möchte, kann den Client auch selbst mit Cargo bauen, dem Standard-Paketmanager von Rust. Zum Vergleich: Der offizielle Client ist über die Seite zum Download der Minecraft Java Edition verfügbar, wo Mojang den Launcher bereitstellt, der eine gekaufte Spiellizenz voraussetzt.
Wichtig zu betonen: Die Nutzung alternativer Clients wie Torch entbindet nicht von der Pflicht, eine legal gekaufte Kopie von Minecraft zu besitzen. Torch bildet lediglich die Client-Schicht nach und meldet sich mit denselben Microsoft-Konten an wie der offizielle Launcher, ohne gültiges Konto startet das Spiel also gar nicht erst.
Ähnliche Projekte in der Rust- und Minecraft-Community
Torch ist nicht das erste Projekt, das versucht, den offiziellen Java-Client durch eine Engine in einer anderen Sprache zu ersetzen. Auf GitHub werden parallel unter anderem Pomme entwickelt, ein Java-Edition-Client in Rust und Vulkan, der sich mit Servern von Version 1.20 bis 26.3 verbindet, sowie Rustcraft, das in Rust sowohl den Client als auch einen integrierten Server für Version 26.3 nachbildet. Die Entwickler-Community experimentiert gern mit dem Neuschreiben von Minecraft-Code, da das Spiel ein offenes, gut dokumentiertes Netzwerkprotokoll besitzt, was das Schreiben kompatibler Clients von Grund auf erleichtert.
Für polnische Spieler, die Server von der Liste der Minecraft-Server nutzen, ist die entscheidende Frage, ob Server-Administratoren Verkehr von solchen Clients überhaupt zulassen, da manche Anticheat-Systeme die Signaturen des offiziellen Launchers überprüfen. Das Torch-Projekt erwähnt bisher keine Zertifizierung oder Zusammenarbeit mit Entwicklern beliebter Anticheat-Plugins, Spieler, die es auf Servern mit strengen Sicherheitsmaßnahmen nutzen, sollten daher mit möglichen Bans rechnen.
Wie geht es mit dem Projekt weiter
Das Repository torch-client auf GitHub hat bisher nur wenige Sterne und noch keinen größeren Kreis an Mitwirkenden gesammelt, aber der Beitrag auf Hacker News mit dem Titel „Show HN: Torch“ hat die Aufmerksamkeit eines Teils der an Rust und Performance-Optimierung interessierten Community auf sich gezogen. Die Entwickler ermuntern dazu, Fehler und Vorschläge für neue Funktionen über das Issues-System auf GitHub zu melden, was der typische Entwicklungsweg für kleine Open-Source-Projekte in einer frühen Phase ist.